Von Problemen und Erfolgen

Wir verabschieden uns von Francesco und seiner Mutter nach einem leckeren Mittagessen und begeben uns auf den Weg. Durch den engen Treppenaufgang  jonglieren wir unsere schweren Reiseräder mit Kraft und Geschick und  freuen uns dies geschafft zu haben.
Der kurze Klettersteig mit den drei Varianten hat uns gut gefallen. Nun geht es mit dem Rad seicht bergan bis zur Kirche in St. Angelo dei Lombardi. Es ist Regen angesagt. Ein nettes Plätzchen mit einem verlassenem Bauwagen bietet sich perfekt an für einen Regentag. Wir trauen uns aber erst nach dem ersten stärkerem Gruß von oben hinein. Patric ist skeptisch, bemerkt jedoch schnell die Praktikabilität.

Kirche mit angenzendem Sportplatz. Der Container diente wohl mal als Vereinsheim.

Wir nutzen die Zeit für Wartungsarbeiten am Zelt und an den Rädern. Am späten Nachmittag lässt der Regen endlich nach. Diana opfert sich, in die mehrere hundert Höhenmeter entfernte Stadt zu fahren, um Essen zu kaufen. Eine Verkettung der Umstände, wie Akku fast leer, einsetzende Dunkelheit und große herumtreibende Straßenhunde machte die Rückenfahrt zu einer Herausforderung. Bis zur Kirche führte ein kleines unbeleuchtetes Einbahnsträßchen herunter. Diese kleine Abbiegung verpasst, führte ein anderer Weg parallel hinunter. In einer Kehre lümmelte ein Rudel großer und kleiner Straßenhunden, die mir schon laut kläffend entgegenrannten und mich verfolgten. Ich schrie sie an wie noch nie in meinem Leben und trat so schnell ich konnte in die Pedale. Abgehängt! Nun weiter herunter zur Kreuzung, aber keine Kirche in Sicht. Ein heruntergekommener Imbiss mit Männern die mich heranwinken, in der Dunkelheit allein ohne Telefon? „Lieber schnell weg“, denke ich mir.
Herumirrend fuhr ich zurück in die Stadt, um die Abbiegung zu finden. Oben ein paar Abzweigungen, nichts Bekanntes. Die Polizei hielt sogar an und fragte, ob ich okay sei. Aber was sagen, schließlich ist Camping offiziell verboten, (bis 500 € Strafe) wenn sie mir schon helfen könnten. Somit: „Everything okay.“ winke ich ab. Erneut hoch, zum kleinen Shop wo ich die Lebensmittel erworben hatte.
Dabei zog ich die Aufmerksamkeit einer Frau auf mich, welche mich auf Englisch fragte, ob ich Hilfe bräuchte. Ein paar Sätze und ich fand heraus das sie in Deutschland gelebt hat und wegen ihrer Krankheit zurück in ihre Heimat gekommen ist. Sie kannte die Kirche mit dem Bauwagen und schickte mich erneut die Straße mit den lauernden Hunden.
Also allen Mut zusammen genommen an dem Rudel der laut kläffenden Bande, vorbeizufahren, Horror! Diesmal aber im Windschatten eines Autos als kleine Ablenkung.
Mein Puls auf Anschlag. Überstanden. Aber wieder an der Kreuzung ohne Kirche. Also der dunklen Straße weiter folgen. Da sah ich mir ein vertrautes Licht entgegenfahren. Eine Freude und Erleichterung für uns beide.
Beruhigt kochen wir unser Abendessen und schlafen rasch. Der nächste Tag begrüßt uns mit tief hängenden Wolken.

Bis zum Horizont und weiter

Unter auffrischenden Gegenwind radeln wir zwischen den Feldern bis nach Bisaccia Nuova, in der wir kurz rasten. Die Stadt scheint künstlich errichtet worden zu sein. Ein futuristisches Kirchenbauwerk in Beton welches unpassend wirkt.

Rast mit Aussicht, ein ganzes Stück hinter Lacedonia

Nun kommt eine interssante 500 m Abfahrt auf einer ungewarteten Straße. Das macht Spaß. Unten angekommen kommen wir auf eine parallel führende Straße zur Autobahn und hoffen einen angenehmen Schlafplatz zu finden, da der Tag sich dem Ende neigt. Hinter einem unbewohnten Bauernhof finden wir es dann.

Verlassenes Gebäude inmitten von Feldern als Schallschutz

Am Morgen danach erwarten uns 45 km geradeaus fahren. Nur das Örtchen Cerignola bringt kurz Abwechslung. Zu Belohnung kommen wir in Margherita di Savoia wieder ans Meer. Eine genussvolle Fahrt bis Barletta wo wir auf einer Wiese am Strand nächtigen. Nur eine alte Dame sprach uns an und wünschte uns viel Erfolg bei unserem Vorhaben. Unser entspannter motivierter Start Bari zu erreichen wird nach wenigen Kilometern von der Giro d’Italia ausgebremst. Die Carabinieri sperren alle Zufahrten ab, wir legen eine erzwungene Strandpause bis 14Uhr ein. Dabei dürfen wir den ortsansässigen Fischern zusehen wie sie Ihre Tintenfische auf Steinen windelweich schlagen. Die Strände haben wir weiterhin für uns, dank Corona.

Den Strand für uns

Endlich weiter, doch nach wenigen Kilometern knackt die rechte Pedale Patric’s Rad und ein paar hundert Meter fällt diese ab. 

Krisenrat! Wir beschließen alle Radläden abzuklappern, leider ist es immer noch Siesta Zeit und die Läden öffnen 16 Uhr.   Ein wenig Bastelei am Straßenrand und irgendwie kann Patric das Pedal wackelig anstecken und mit der Kraft aus hauptsächlich des linken Beins langsam vorankommen. So schleppen wir uns nach 1-stündiger Quälerei in die nächste größere Stadt, die uns hoffen lässt. Alle Läden auf Google sind entweder zu oder nicht nicht existent bzw. dank italienischer Schaufenster Gestaltung nicht zu erkennen. Ein Radler begleitet uns kurz und zeigt uns einen Laden. Ein Glück, die haben sogar ein passendes Modell. Gebraucht, aber für nur 20 €. Da Patric sich schon mental darauf einstellte, auf ein neues Klicksystem umzusteigen, freute es uns umso mehr.

Es folgt eine interessante Navigation parallel zur Autobahn mit einigem unter- und überqueren. Bis wir in einer Sackgasse stehen. Nur schwimmend oder auf Autobahn geht es weiter. Ein paar mal hin und her, wollen wir schon die Räder über eine Rampe heben, um unter der Autobahn durchzukommen. Ein etwas moddriger „Geheimweg“ durch enges Schilf führt uns auf die gewünschte Straße. Bei unserer Fahrt in strömenden Regen setzt sich ein Auto neben uns. Wir werden begeistert auf Deutsche angesprochen, vor allem weil wir bei dem Wetter weiter fahren. Es kommt ein trockenes Plätzchen unter einer Brücke, welches wir zum Pausieren nutzen. Als der Regen nachlässt, geht es weiter. Unser Ziel ist der Hafen in Bari. Hier kommen wir 20 Uhr an und alle Schalter sind geschlossen. Da ein Spielplatz in der Nähe ist, nutzen wir die Möglichkeit zum Nächtigen. Wir entscheiden uns bis Brindisi weiter zu radeln. Schließlich wollen wir die Welt auf dem Rad umrunden. Es ist ein herrlicher Strandabschnitt mit Leuten die uns immer wieder aus ihren Autos zujubeln. Wir haben das Rätsel, warum tagelang niemand jubelt und dann auf einmal mehrere immer noch nicht entschlüsselt.
Als wir gerade ein Foto vom Ortsschild von Monopoly(ja es gibt eine Stadt mit diesem Namen) machen, treffen wir Mutter und Tochter, die unser Vorhaben bestaunen.

Nicht das erste interessante Ortsschild

Der Schlafplatz dieses Tages hinter einer Düne wird mal wieder von viel zu vielen hungrigen Mücken bewohnt. Wie haben wir das vermisst! Dafür wissen wir nun, dass wenn wir es am kommenden Tag bis 18 Uhr nach Brindisi schaffen, können wir direkt nach Igoumenitsa  übersetzen. Wir wollen beim vorherrschenden Wetter die Nacht lieber auf der Fähre verbringen. Geplant, getan. Wir erreichen den Hafen rechtzeitig. Jetzt nur noch die Tickets besorgen. Noch einmal schnell in den Supermarkt und schon geht es über die vierte Grenze unserer Reise nach Griechenland.

Geschafft. Auf nach Griechenland

2 Antworten auf „Von Problemen und Erfolgen“

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